Kritik

"Der Gesunde hat viele Wünsche, der Kranke nur einen."

 

(unbekannt)

Dr. Gabriele Schulte, 2011

 

Der Stachel, die Dornen der Rose bilden das Material, mit dem Andreas Haase seine Objektkästen füllt und die der Betrachter oft erst nach intensivem Hinsehen als solche erkennen kann. „Keine Rose ohne Dornen, keine Schönheit ohne Schmerz.“

In seinen Arrangements durchlaufen diese sorgsam gesammelt und gereinigten Naturdornen durch zum Beispiel das Besprühen mit Goldspray eine Metamorphose. Sie werden zu Vogelschwärmen, die einen Yves Klein blauen, durch dick aufgetragene Farbpigmente plastisch wirkenden Nachthimmel durcheilen, zu immer neuen Formationen angeordnet.

Bis weilen sind sie Teil eines romantisch-goldenen Naturausschnittes mit einem Baum aus Leim, unter dem eine rote mit goldenen Pünktchen betupfte Heftzwecke als Fliegenpilz „wächst“ und der Betrachter das heimliche Augenzwinkern des Kompositeurs spürt.

Gern gesellt der Künstler seinen „Naturstudien“ mit dem bloßen Auge kaum erkennbare, aus Rosenholz geschnitzte Gegenstände bei, wie z.B. eine winzige Gartenbank oder ein nur mit der Lupe zu erkennendes Vogelnest. Alles wird mit Gold besprüht und wirkt dadurch kostbar stilisiert und gleichzeitig leblos. Haases Objektkästen inszenieren hinter Glas von jedem Hauch des Lebens abgeschnittene Schönheit und bieten eine Ästhetisierung des Schmerzes.

In einer bemerkenswerten Serie werden vage durchgepauste menschliche Gesichter durch eine goldene Dornenkrone zu einer Manifestation des Schmerzenmannes in einer Via Dolorosa.

Haases Objektkästen changieren zwischen Relief, Zeichnung und Skulptur. Der Betrachter ist berührt durch die Inszenierung eines transformierten Schmerzes, der eingesponnen, unter Glas zur Schau gestellt wird und eine merkwürdige Starrheit und Leblosigkeit ausstrahlt.



Hans-Peter Riel (WDR) zur Vernissage in Xanten, 2005

 

Lassen Sie mich, meine Damen und Herren, diese kurzen Einführungsworte ganz profan beginnen...

 

Als ich vor fast zwei Jahren Andreas Haase zum ersten Mal begegnete, hatte ich schon einiges von einem gemeinsamen Freund von ihm gehört. Diesen jungen Mann möchte ich nun aufgrund seines offensichtlichen Talents unterstützen. Nun ist man bei Gesprächen zunächst relativ skeptisch, erfährt man doch von solchen, zugegebener Maßen etwas älteren, meist weiblichen Personen, die in Volkshochschulkursen das Malen erkannt haben, danach auch wissen mit dem Pinsel umzugehen, aber die Krativität ist wenig entwickelt, weil man dies nicht lernen kann. Das reicht fürs eigene Haus, aber man spricht sonst besser nicht darüber.

 

Bei Andreas Haase war das völlig anders. Seine Bilder, die ich zunächst nur als Photos sah, fesselten meine Blicke, das also, was ein Werk ausmachen soll. Es soll sofort wirken und dann soll sich der Betrachter eigentlich überlegen, warum er so gefesselt ist, warum sein Blick gefangen genommen wird.

Und da beginnt die eigentliche Kunst der Kunst. Und darin ist sein Erfolg begründet.

 

Die Photos, die ich sah, machten mich neugierig, was dieser heute 25 Jahre alte Mann aus Menden im Sauerland so alles auf die Leinwand und andere Träger brachte. Vor allem auch, welche Technik beherrscht er schon, macht er nur nach, also kopiert er oder entwickelt er auch eigene Stile, wie geht er mit Farbe um?

 

Heute ist Andreas Haase schon weiter, hat erste Studien am Institut für bildende Kunst und Kunsttherapie in Bochum absolviert. Erfolgreiche Ausstellungen in Hemer und den Niederlanden haben ihn in der Absicht, die Kunst zu seinem Beruf zu machen, noch bestärkt.

 

Wer so beginnt, so mit Verve, so mit Engagement, der wird es schaffen. Er arbeitet mit Öl, mit anderen Zusätzen, manchmal schon außergewöhnlich.

 

Er hat neben seinen eigenen Werken an Restaurierungen gearbeitet, Buchcover und Auftragsarbeiten erstellt. Schlicht alles, was einen Künstler in der Entwicklungsphase ausmacht und wozu es ihn irgendwie drängt.

 

Was wir hier im "Kunst und Cafe De Fries" zu sehen bekommen, ist nur ein kleiner Ausschnitt seiner Werke. Und ich will auch zu den einzelnen Stücken gar nichts sagen.

Denn schließlich ist es die Kunst, die Gedanken der Betrachter zu fangen, ihn auf das Werk zu fixieren und seine eigenen Interpretationen im Kopf ausbilden zu lassen. Jeder wird sicherlich etwas anderes empfinden, je surrealistischer das Werk ist, umso mehr.

 

Verinnerlichen Sie, meine Damen und Herren, was Sie hier in diesem anmutenden Ambiente sehen und empfinden. Wenn Ihnen dies gelingt, hat Andreas Haase sein gestecktes Ziel erreicht. Vielleicht sollten Sie es ihm auch hinterher sagen. Das ist der wahre Lohn des Künstlers.

 

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.